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Wie ist die Idee zur Papenwohld Künstlerresidenz entstanden?

Der Impuls kam durch den Ort an sich. Jeder, der so wie ich, lange in einer Großstadt gelebt hat, empfindet es als etwas Besonderes, fast schon Heiliges, so einen Ort zu haben und es sogar sein zu Hause nennen zu können. Hier abgeschottet zu sein ist so etwas wie ein wahrgewordener Traum und hat mich dazu inspiriert diese Erfahrung auch mit Anderen zu teilen.

 

Welche Erwartungen sind an die Künstlerresidenz geknüpft?

Menschen sollen die Möglichkeit haben sich neu zu erfinden, neue Situation zu erforschen, Situation, in denen sie sich sonst vielleicht nicht befänden. Sie sollen eine Art neugefundene Freiheit entdecken, Kontakte knüpfen und Ideen verwirklichen, die sie womöglich schon seit Jahren haben. Nicht das Endergebnis, sondern der Weg dorthin liegt im Fokus. Ich habe Aussagen der lokalen Presse mitbekommen wie: Wenn die Künstler völlig frei in ihrem Tun sind, dann wird auch nichts dabei entstehen”. Ganz im Gegenteil, wir sehen immer wieder, dass diese Freiheit eine motivierende und inspirierende Wirkung hat, sodass großartige Kunst entsteht. Kunst, die sich nicht in Schubladen stecken lässt und gleichzeitig hochgradigst originell ist.

Was ist mit „interdisziplinär” gemeint?

Das Konzept ist aus meiner eigenen Welt auszubrechen. Die klassische Herangehensweise in der Musikindustrie für einen Künstler ist zum Beispiel, dass nach der Albumproduktion ein Cover hergestellt werden muss, darauf folgen Pressefotos und eventuell ein Video. Das ist auch völlig in Ordnung so, es schafft natürlich auch Arbeit für weitere Kreative, die daran beteiligt sind, dennoch gibt es keine wirkliche Zusammenarbeit, zumindest nicht in dem subkulturellen Segment, da es oftmals keine finanziellen Ressourcen dafür gibt. Oft haben nur die Künstler mit großem Namen die Möglichkeit dazu sich die besten und interessantesten Leute auszusuchen um mit ihnen zusammen zu arbeiten. Die meisten Künstler haben diese Möglichkeiten aber nicht. Während der letzten Künstlerresidenz kamen wir dann auf die Idee drei Künstler aus verschiedenen Genres einzuladen und zu beobachten was dabei enststeht und zu sehen wo wir eventuell etwas beisteuern können.

 

Du versuchst auch Künstler aus verschiedenen Backgrounds zusammen zu bringen, wie war hier die Erfahrung?

Unbeschreiblich. Die Vielfalt in der Gruppe ist das, was es so fresh macht. Viele Künstler stagnieren sobald sie ein gewisses Level an Bekanntheit erreichen. Unabhängig ob sie nun Orchestermusiker oder Bass Produzenten sind, sie bleiben weitestgehend dabei. Niemand fragt sie ob sie vielleicht auch mal Geige spielen wollen, auch wenn sie dies gern tun würden. In der Hinsicht ist die Residenzwoche sehr interessant, denn jeder Teilnehmer ist anders und hat eine andere Herangehensweise. Auch wenn es anfangs etwas angespannt ist, am Ende entstehen großartige Sachen.

Ich plane auch eine Filmmusik- oder Spielemusik-Residenz zu veranstalten, oder etwas mit künstlicher Intelligenz. Da suche ich aber noch nach genaueren Themen für zukünftige Projekte.

 

Was ist das Ziel von Papenwohld?

Im Idealfall würde ich gerne eine Art Familie aufbauen, die weiterhin in der digitalen Welt fortbesteht, resultierend aus der vorausgehenden Begegnung in der reellen und analogen Welt. EIn Netzwerk, das wächst und größere Kreise zieht, einen Schnittpunkt bildet und Brücken baut. Nicht nur zwischen den Künstlern, sondern zwischen allen, die es unterstützen und mit am Tisch sitzen”. Vielleicht ist es auch eines Tages möglich, dass sich das Projekt selbst fianziert und nicht mehr auf Zuschüsse oder Sponsoren angewiesen ist. In jedem Fall soll es ein Ort werden von dem viele Menschen profitieren sollen.

Du bist selbst auch Musiker, wie sieht dein Setup aus?  

Ich bin Schlagzeuger und musikalischer Leiter und führe Liveproduktionen von anderen Künstlern und Bands durch, wobei ich in letzter Zeit mehr auf mein eigenes Projekt, JBXDR, fokussiert war. Meine Arbeit konzentriert sich momentan auf die Schnittstelle zwischen menschlicher Interaktion und Technologie. Ich bin davon überzeugt, dass dieser Bereich in der Zukunft massiv wachsen wird. Ich versuche deshalb auch so viele verschiedene Setups zu benutzen wie möglich. Vor allem auf meiner aktuellen EP habe ich viele Sample basierte Produktionen, die mit Hilfe von Komplete und Maschine entstanden sind. Für meine Liveshows benutze ich ein akkustisches Drumset, das mit Triggern ausgestattet ist, ein bis zwei Roland SPD-SX, einen Dave Smith Synthesizer und Ableton Live. Ich habe mir vor Kurzem Sunhouse – Sensory Percussion Trigger angeschafft, diese haben bis zu zehn Trigger Points pro Drum, durch die Software können sehr komplexe Routings erstellt werden und aufeinander abgestimmt gemappt werden, der Traum eines jeden Drummers. Dazugehörige Visuals bearbeite ich mit TouchDesigner.

 

Was ist die größte Herausforderung als musikalischer Leiter auf der Bühne und im Studio während der Künstlerresidenz?

Ich denke ich bin recht gut im Umgang mit Künstlern, wir sind schnell auf einer Wellenlänge und öfters schaffe ich es sie zu motivieren Dinge auszuprobieren, die sie sonst nicht machen würden, wo aber definitv Potenzial da ist. Es ist sehr ambitioniert nach nur einer Woche eine Liveshow auf die Beine zu stellen, aber mit einem guten Team und besser geregelten Abläufen war das letztendlich möglich. Noch schöner wäre es natürlich, wenn die Künstler die sieben Tage für sich alleine hätten und dann zusätzlich noch drei Tage um die Show vorzubereiten, aber aus finanziellen Gründen war das nicht möglich. Es ist nicht leicht alles in nur einer Woche unter zu kriegen, inklusive An- und Abreise der Künstler. Es hilft den Künstlern aber auch produktiv zu sein. Man ist zwar frei, aber gleichzeitig pushen sich die Künstler selbst und sind motiviert und produktiv. Das hört und sieht man dann am Ende auch.

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Wie lief die Zusammenarbeit mit Native Instruments und Papenwohld ab?

Normalerweise sind Marketingabteilungen nicht sonderlich an Projekten, wie diesem interessiert, sondern konzentrieren sich eher auf Influencer und Social Media Zahlen, nur das was Klicks generiert, wird auch unterstützt. Deshalb bedeutet es mir umso mehr, dass Native Instruments hier ein Bewusstsein für Subkultur und alternative Plattformen hat. Es ist immens wichtig, dass es Kooperationen zwischen Unternehmen wie Native Instruments und Initiativen wie Papenwohld gibt. Die Aussicht auf eine Langzeitkollaboration macht es zu etwas sehr Besonderem, wer weiss, vielleicht entscheidet sich Native Instruments dazu eine eigene Artistresidenz zu veranstalten.

 

Was denkst du macht Papenwohld so speziell?

Papenwohld ist das zu Hause meiner Familie und wurde geschaffen von den Menschen, die hier leben und arbeiten. Das ist der Grund warum es mit so viel Liebe gemacht wird. Am Ende sind es die Menschen, die einen Ort zudem machen was er ist. Es geht nicht um mich oder jemand im Speziellen, sondern um die Sache an sich, ich denke das spürt man hier auch.