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von Ronan Macdonald

„Sei nicht so selbstkritisch“ – Alex Banks im Interview

So produziert der Mesh- und Monkeytown-Künstler Alex Banks seine ätherischen Tracks.

Atmosphärische Bassmusik. So nennt Alex Banks seine Musik, sagt aber, dass man sie auch anders bezeichnen kann, das sei nicht so wichtig. “Beneath The Surface” heißt sein aktuelles, zweites Album, das im Juni 2019 auf Mesh erschien, dem Label von Max Cooper. Mit den zehn neuen Stücken setzt Banks seine musikalische Entdeckungsreise fort, die 2014 begann – mit “Illuminate”, der ersten LP der Briten. Damals waren Modeselektor auf den Produzenten aufmerksam geworden und veröffentlichten sein Debüt schurstracks auf ihrem eigenen Label Monkeytown. Und nahmen ihn auch gleich mir auf Tour. So spielte Alex Banks plötzlich ein Konzert in Polen vor 3.500 Menschen.

“Das war schon krass!”, schwärmt Alex noch heute. “Ich war so nervös, erinnere den Moment, als ich auf die Bühne kam, aber noch ganz genau. Scheiße, dachte ich. Das passiert gerade wirklich!”

Eine echte Feuerprobe für den Musiker aus Brighton, und außerdem ein Karriereschub. In den folgenden Jahren war Banks mit seiner Liveshow für “Illuminute” weltweit unterwegs – eine Reise, die irgendwann in sein zweites Album mündete: “Beneath The Surface”.

“In den Jahren nach der Veröffentlichung von ‘Illuminate’ war ich viel auf Tour, und das hat mein zweites Album definitiv geprägt. Ich konnte die neuen Tracks live spielen, auf der Bühne mit meinem Setup remixen und ein Gefühl dafür entwickeln, wie sie im Club funktionieren – und in ganz anderen Umgebungen. Der Track ‘In The Silence’ zum Beispiel beschreibt schon mit seinem Titel einen ganz bestimmten Moment, den ich auf der Bühne erlebt habe – immer dann, wenn ich ‘Initiate’ von meinem Debütalbum spielte. Mitten im Breakdown, praktisch alles rausgefiltert, es liefen nur noch eine leise Fläche und ein paar Beats. Und trotz der großen Halle hörten alle gebannt zu. Ein stiller und sehr intensiver Moment. Damals lernte ich, ein bisschen mehr Raum in meiner Musik zu lassen, damit genau solche Momente entstehen können, in denen ich auf der Bühne alles runterfahre, die Leute mitnehme und eine Dynamik erzeuge.”

Dann würdest du vermutlich sagen, dass “Beneath The Surface” ganz anders ist als “Illuminate”?

Auf meinem vorigen Album hatte ich so viele Ideen und wollte alles damit ausfüllen. Die Platte ist sehr sprunghaft, was auch Teil ihres Charmes ausmacht. Auf der aktuellen LP gibt es zwar auch solche Momente – ich habe mich aber getraut, der Musik diesen Raum, den ich schon erwähnt habe, zuzugestehen. Zum Beispiel bei “In The Silence”: Da gibt es eine Passage, in der nur eine Bassline mit drei Noten und ein paar Texturen zu hören sind. Da habe ich mich an diesen Bühnenmoment zurückerinnert, und daran, wie diese Art von Track-Struktur in diesem Kontext funktionierte. Diese Erfahrung hat bestimmt manche Entscheidungen bei der Produktion des Albums beeinflusst.

 

“Beneath the Surface” kombiniert elektronische Sensibilität mit einem hohen Grad an Musikalität und Songwriting. Letzteres hat zweifellos viel mit deinem instrumentalen Können und deiner Erfahrung zu tun. Aber das wirklich Besondere sind die allgegenwärtigen Texturen: Wie beschreibst du deinen Ansatz beim Sound Design?

Viele Layer! Ich verwende viele analoge Drum-Sounds in Kombination mit druckvollen Samples, und das lässt sich auch auf viele andere Sounds übertragen. Leute wie Burial, Four Tet und Caribou haben einen großen Einfluss auf meine Musik – diese knisternde, staubige Vinyl-Ästhetik. Das hat für mich etwas sehr Warmes und Anziehendes und erinnert mich an meine 1990er-Roots: Ich liebe alte Breakbeat- und Retro-Sounds. Ich sample auch viel von Vinyl und schicke das Material dann durch Plug-ins, um es zu pitchen, zu dehnen oder zu verfremden. So entstehen die Texturen. Man hört gar nicht unbedingt, dass das Samples sind. Aber sie geben der Musik diese Körnigkeit und Wärme. Das balanciere ich dann mit sorgfältig gearbeiteten Synth-Sounds und anderen Texturen aus, die ich im Studio gemacht habe.

 

Das Album ist deine erste Veröffentlichung auf Mesh – und auch das erste Album auf Max Coopers Label, das von einem anderen Künstler als ihm selbst stammt. Wie kam es dazu?

Nach der Veröffentlichung von “Illuminate” habe ich mit verschiedenen Leuten zusammengearbeitet. Max hatte ich immer wieder mal auf Tour getroffen und fragte ihn schließlich, ob er Lust hätte, gemeinsam einen Track zu machen. Hatte er. Der Track heißt “Eve” und erschien als kostenloser Download. Ich war schon immer ein großer Fan seiner Musik. Max hat mich beeinflusst, und es war toll, mit ihm zusammenzuarbeiten. Als “Beneath The Surface” schon fast fertig war, fragte er mich, ob ich ihm die Tracks mal schicken wollte. Alles Weitere ergab sich dann von selbst, und es war wirklich cool, mit Max und seinem Team zusammenzuarbeiten.

Du arbeitest schon lange mit MASCHINE. Wie nutzt du sie im Studio?

Ich habe die Mikro und nutze die Maschine-Software in Logic wie ein Klangmodul. Man kann in Maschine Beats programmieren, aber weil ich das immer in Logic gemacht habe, macht es für mich nicht viel Sinn, umzusteigen. Maschine ist ja so konzipiert, dass sie sich ganz einfach als Klangmodul nutzen lässt. Ich nutze auch einige Expansions: Cavern Floor, Prismatic Bliss, Lone Forest, Motor Impact, Molten Veil und Dark Pressure.

 

Du nutzt die Hardware also im MIDI-Modus?

Genau – ich gehe die Presets durch, und wenn ich eins inspirierend finde, kommt ein Beat dazu. Zum Aufnehmen wechsle ich in den MIDI-Modus und nehme die Drum-Patterns dann in Logic auf. Ich habe also das Beste beider Welten. Ich kann in Logic arbeiten – einer Umgebung, mit der ich sehr zufrieden bin und die auch mit all meinen anderen Plug-ins und meiner Hardware funktioniert. Und ich kann die Maschine-Pads nutzen, die sich einfach toll anfühlen. Der Controller ist so gut konstruiert – sehr taktil. Und das ist einer der Gründe dafür, dass ich Maschine auch live gerne nutze. Es fühlt sich so an, als würdest du ein Instrument spielen.

Ich mag auch die Sounds sehr gerne. Ich suche mit ein Kit, das ein guter Startpunkt ist – zum Beispiel eine Kick und eine Snare – und suche dann nach weiteren Sounds. Oder ich nutze Maschine, um Beats auf der Vermona DRM 1 zu spielen – das kann ziemlich cool sein. Oft geben Maschine-Drums den Sounds meiner Drumcomputer auch zusätzlichen Druck. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es manchmal wenig bringt, sich mit EQs und Kompression an Sounds abzuarbeiten, denen einfach der Punch fehlt. Dann kombiniere ich sie lieber mit anderen Sounds, die den Job machen.

 

Warum hast du dich für die MIKRO entschieden, und nicht für die “reguläre” MASCHINE oder MASCHINE STUDIO?

Weil es mir hauptsächlich um die Haptik der Pads und um die Sounds geht. Mit der größeren Maschine kann man natürlich mehr machen, aber ich brauche das eigentlich nicht in meinem Workflow. Es macht mir nicht viel aus, mit der Maus zu klicken und auf einen Computerbildschirm zu schauen, weil ich zwei große Monitore im Studio habe. Außerdem habe ich so viel andere Hardware im Studio, mit der ich physisch interagieren kann. Und wenn ich Drum-Sounds programmieren will, mache ich das meist sehr detailliert. Das geht am Bildschirm einfach besser. Und die Mikro ist portabler – sehr nützlich für die Liveshow.

Du arbeitest auch mit REAKTOR. Baust du eigene Instrumente und Effekte?

Das mache ich nie. Ich habe großen Respekt vor allen, die das können, aber mir fehlt dazu einfach die Geduld. Es hat viel Spaß gemacht, meine analoge Hardware durch Molekular zu schicken und eigene Presets dafür zu programmieren – ich fand das sehr intuitiv. Molekular bietet so viele Möglichkeiten und Modulationswege, man kommt schnell zu ungewöhnlichen und unerwarteten Ergebnissen. Auf diese Weise sind auch viele Texturen auf dem Album entstanden. Ich nutze Molekular ganz ähnlich wie Hardware und habe sein Ausgangssignal in einer Audiospur aufgenommen. Anstatt den Effekt über MIDI zu programmieren, habe ich einfach mit den Reglern experimentiert, das Ergebnis in Logic aufgenommen und dann noch weiter bearbeitet. So fängt man eine musikalische Performance ein, obwohl man eigentlich nur ein Plug-in bedient.

Welchen Rat würdest du angehenden Produzenten geben? 

Es wird oft gesagt, dass es unglaublich wichtig sei, seinen individuellen Sound zu finden. Für mich spricht aber nichts dagegen, am Anfang ordentlich von anderen Musikern abzukupfern. Denn so lernt man die Produktionstechniken. Zumindest bei mir war das so – ich habe mir anfangs wenig Gedanken über meinen persönlichen Sound gemacht. Viel eher war ich fasziniert davon, dass auf meinem Synth zum Beispiel ein Sound war, der wie ein Lead-Sound von Prodigys “Their Law” klang. Und dann wollte ich herausfinden, wie ich einen ähnlichen Sound hinbekomme.

Die Musik verschiedener Genres nachzuahmen – das kann durchaus einen positiven Effekt haben. Ich lernte alte Jazz-Klassiker und habe auf diese Weise viel über Harmonien und Melodien herausgefunden. Man könnte genauso gut Klavier lernen und klassische Kompositionen spielen, damit die Sammlung melodischer und harmonischer Texturen in deinem Unterbewusstsein reift und wächst. Ich war früher viel auf Drum-and-Bass-Raves und liebe Jungle-Basslines – das hört man meiner Musik wahrscheinlich an: die Energie und Begeisterung dieser Zeit. Von verschiedenen Arten von Musik inspiriert zu sein – das half mir dabei, etwas Ungewöhnliches und Einzigartiges in meine Produktionen zu bringen: Sounds, mit denen ich mich von anderen unterscheide. Mit meinen Platten streife ich verschiedene Genres und mache einfach die Musik, die ganz natürlich aus mir rauskommt. Die Musik, die mich zugleich inspiriert und begeistert.

Und noch ein Tipp: Sei nicht so selbstkritisch, dass dich das beim Musikmachen bremst. Ich kenne Leute, die grandiose Musik machen, aber so selbstkritisch sind, dass ihre Musik nie erscheint. Gleichzeitig solltest du aber auch objektiv sein und sicherstellen, dass du niemanden unverhohlen kopierst. Die Welt braucht keine zweiten Moderat oder Bonobo, oder wer immer dein Lieblingskünstler ist, denn es gibt sie schon. Lass dich von ihnen beeinflussen, aber such nach einer neuen Perspektive und mach dein eigenes Ding.

 

Fotos: Edward Bishop

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